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Ende
und gut
Das war es. Ende, aus, over. Gut is.
Frau Erbguth, ihres Zeichens Richterin am Schöffengericht Hamburg sprach
es aus. Ja, sie tat es mit schwerem Herzen und strengem Blick. Doch
ich bemerkte den rötlich schimmernden Fleck, der unter dem Pult hervorquoll,
während Sie das Urteil verkündete.
Doch von vorne, dort wo die Geschichte begann, an der Wurzel des Übels:
mit dem Gedanken der Gerechtigkeit.
Am 27.7.1 bemerkte ein Herr Röscheisen, tätig als Rangierer auf dem
unweit gelegenen Bahngelände, den florierenden Garten auf dem Rooftop
der Woltmanstr. 24. Weil er ein kecker Bursche ist und mit Hilfe eines
Fernglases die zu rangierenden Waggons kontrolliert, ist ihm das Fernglas
ausgerutscht und er war geblendet von der anmutigen Schönheit einer
jungen Dame mit rötlichem, schulterlangem Haar, angetan mit einem orange-braunen
Kleid. Zu seinem Entsetzen sah er, wie diese junge Frau am Dachfirst
entlang wandelte, gerade im Begriff sich in die kalten Schluchten der
Großstadt hinabzustürzen, um mit dem Asphalt des Högerdamms eins zu
werden.
Doch seine getrübte Wahrnehmung täuschte ihn, die junge Frau goss. Ja,
sie goss in ihrer abtrünnigen, perfiden Art wie sie nur stark abhängige
Rauschgiftkonsumenten und Drogendealer nach außen tragen.
Bei einer genaueren Fernbeobachtung zur morgendlichen Stunde (Ekliptik
der Sonne 4,38° Ost) fand der Rangierer Röscheisen in nahezu dagobertscher
Manier mit seinem meisterlichen Spürsinn für Verbrechen das stark vergrößerte
Abbild eines Hanfblattes als Schattenprofektion in der Hohlwölbung einer
auf dem Dach angebrachten Parabolantenne.
Kombiniere, kombiniere - nach mehreren Kreuzworträtseln in "Bild der
Frau" und ein paar kräftigen Zügen aus der legal gestopften Sherlockholmes-Pfeife,
die er schon als 9jähriger beim Kinderfasching stolz mit sich herumtrug,
fand sich die göttliche Kombination. Fünf Blätter, gezackt, wie Finger
angeordnet .....
Hahaha -hatschi. Er nieste, und ohne eigenwilliges Zutun, stieß er den
Hörer aus der Gabel und betätigte versehentlich die Kurzwahltaste des
Apparates. Nach seinem Taschentuch suchend vernahm er das quälende Rinnsal
einer Stimme, welches aus dem am Boden liegenden Telefonhörer troff.
"Hallo, wer ist da..., warum sprechen Sie nicht, hallo... hören
Sie mich?"
Geistesgegenwärtig riss der ungelernte 41-jährige den Hörer an sein
Ohr, mit aufgeregter Stimme rumpelten ihm die Worte aus dem Hals:
"Ja
aä, Watson ... , ja , äa ich"
"Nein hier OberPom Lensch, Lensch wie Mensch nur mit L, Polizeirevier
41, Kriminaldelikte."
"Ja äa, kommen sie schnell vorbei, wiederhören!"
Sie fanden zueinander, wie das Pferd seinen Reiter, der Mörder seinen
Scharfrichter. Lensch zieht das Fernglas aus seinem Gesicht wie einen
Saugnapf, stellt es auf den Bürotisch neben den Briefbeschwerer, ein
Würfel auf einem Sockel aus Chrom.
"Könnte sein. Ich seh mir die Sache mal aus der Nähe
an."
Im Tower von Babylon stehen alle Türen weit offen, wie sich das gehört,
wenn man keine Feinde hat. Es ist ein heißer Sommertag, der Kalender
quält sich den 2. August 1 raus. Man ist verreist, seit Tagen.
Lensch und Kollege finden Christian Kuhn am Computer in unserer Wohnung
vor.
An dieser Stelle verkürze ich meine Ausführungen, denn der aufmerksame
Leser von www.be09.de (Ich gieße
hier nur!) ist schon im Bilde, für die anderen werde ich Ungnade
walten lassen.
Die Maschine rollt und brodelt, sie spuckt Feuer, arbeitet Tag und Nacht
im Hintergrund, sammelt Informationen, recherchiert und spitzelt. Post
im Briefkasten: Bla, Bla, bla, sehr geehrter Herr di Sturini, sehr geehrte
Frau Höper ... in der Sache bla, bla,bla ... vorgeladen, angeklagt (und
vorverurteilt A.d.A.) ...., 24.4, Sitzungssaal 184, Schöffengericht
Hamburg, bla, bla, bla, Zeugen OberPom Lensch & Kuhn,...siehe Anlage,
... bla, bla, 9.00 Uhr!! (be 09!!, 9.00 Uhr, o.k, alles klar Kollege).
Logisch, natürlich, sowieso ..., Strategie zurecht gelegt, mit den Anwälten
alles besprochen, wir gehen rein.
Für uns ist es die erste fette Sache vor Gericht, Herzklopfen, Unwohlsein:
muß ich lügen?, nahe bei der Wahrheit bleiben!, nur auf die Frage antworten,
keine Ausschweifungen. O.K. Ich habe nichts gemacht! Dachboden, welcher
Dachboden u.s.w..
Frau Erbguth ist eine junge Richterin, sie sieht gut aus - für eine
Richterin, sie hat keine hinterhältigen Winkelzüge um den Mund, sie
trägt keine Kreolen, das Haar lang, nach hinten zusammengebunden. Dunkle
Strähnchen, Brille - trotzdem, sie sieht gut aus, sie ist eine Richterin,
sie will, sie muß Karriere machen.
Bei BE 09 macht keiner Karriere, mit BE 09 sowieso nicht!
1.Verhandlung Resümee
Lensch, "der Schlüssel zur Wahrheitsfindung", packt noch mal alle Tatsachen
auf den Tisch: - den Dachboden unverschlossen vorgefunden - Giftpflanzen
gesichtet (21 Stück) - geharvestet und in sechs große Plastiksäcke verpackt
- das Asservat zur Untersuchung gegeben - Kuhn durch Respekteinflößung
zur belastenden Aussage gebracht, unterschreiben lassen - hinausgezogen
um ein großer Kämpfer zu werden - sich von seiner Mutter auf die Schulter
klopfen lassen.
Kuhn hat ausgesagt und unterschrieben, der Fall scheint für Richterin
Erbguth und Staatsanwaltschaft klar. Wir sind es gewesen und damit basta.
Kuhn hat eine Rechtsanwältin, auch sie sieht gut aus und Kuhn macht
vom Zeugnisverweigerungsrecht (§55) Gebrauch, weil "er gießt hier nur"
und kommt natürlich als Unterstützer einer Straftat gleich mit auf die
rote Liste. Nur gut, daß man in diesem Staat sich nicht selbst belasten
muß.
Die Sitzung von einer 3/4 Stunde fördert nichts zu Tage, sie kostet
nur Geld. Wessen Geld, das will man beim nächsten Termin herausfinden.
Lensch wird zum Nachsitzen verdonnert, schlampige Ermittlungsarbeit
hat die Richterin dem lauteren POM unterstellt. Er soll noch mal raus,
nachermitteln. Rausfinden, wer hat einen Schlüssel, wer hat Zugang zum
Dachboden, wer benutzt das Dach? POM Lensch tat wie ihm aufgetragen
und erzwingt von 9 aus 29 (immer diese verdammte 9!) weiteren Hausbewohnern
der Woltmanstraße 24 Aussagen, die er zu den Akten gibt.
Für den 14. August 2 wird ein weiterer Verhandlungstag (9.00 -
15.00 Uhr) angesetzt, diesmal mit 9 Zeugen plus Lensch plus (diesen
Augenblick habe ich lange herbei gesehnt) dem Engel der Gerechtigkeit
Sherlock Röscheisen, seines Zeichens Bahnarbeiter, Rangierer. Der Staatsanwalt
hat diesmal keine Lust und wird vertreten durch eine Staatsanwältin,
die bei der ersten Verhandlung nicht anwesend war.
Das Fragenarsenal des ersten Verhandlungstages wird noch mal abgearbeitet.
Kiffen sie? Benutzen sie den Dachboden? Welche Sachen haben sie auf
dem Dachboden? Sind es ihre Pflanzen? Nein, Nein und nochmals nein.
Wir erfinden die Wahrheit neu, daß sich die Balken biegen.
Bevor ich es vergesse: die Staatsanwältin sieht gut aus, sie hat eine
Beisitzerin, sie sieht gut aus, die Gerichtsschreiberin sieht nicht
gut aus, sie hat einen erhöhten Blutfettwert, deren Beisitzerin, ihr
wurden die Arbeiten wie Bleistifte anspitzen und Radiergummi anreichen
aufgetragen, sieht gut aus und trägt einen Slip mit String, das sieht
auch gut aus. Er ist schwarz.
Aus dem Innenhof dringen scheppernde Geräusche und wir können uns im
Saal nicht gut miteinander unterhalten. Das Schergenbalg von der Fettleibigen
muß die Fenster schließen. Im Schritt sitzt ihr das schwarze Geschmeide
und klammert sich um Ihre Hüften. Dieses Bild kennt man von deutschen
Schulhöfen.
Erster Zeuge: Der Ermittler Lensch. Ich weiß, er fühlt sich gut, denn
heute macht er uns ein. Nach dem Standard folgt die Kür und die Kufen
hat unser Rechtsanwalt Möhring (ca. 60, 5 Schachteln am Tag, rotes Gesicht,
rhetorisch auf der Höhe) unter den Füßen. Unangenehme Fragen prasseln
wie Hagelkörner auf Lensch, der sich duckt, aber wieder und wieder getroffen
wird. Der Arme hat sich dann mit der MoPo zum Hinterbänkler gemacht
und sich noch den ganzen Prozess angeschaut.
Alle Ausführungen wären zuviel und zu komplex, es ging wieder und wieder
um den "Schlüssel" und den "Zugang". Ich möchte nur sagen, heiter war
es, ja heiter mit den Luxuszeugen aus unserem Haus. Ayse Ildir, Erdgeschoß,
der deutschen Sprache zugeneigt, doch nicht ganz mächtig, antwortet
auf die Frage: "Sind sie berufstätig?""Nein, ich arbeite im Krankenhaus".
Sie gibt auch gerne die Geschichte zum Besten, wie man mit zwei Mobiltelefonen
eine Satelitenantenne einjustiert.
Zeuge Ulrich Gehricke, 64, Lagerarbeiter bei Karstadt, findet unser
Haus ist ein Drecksloch und ist seines Lebens froh, wenn er zurück in
die Heimat ziehen kann. Er berichtet von seinen Wohnverhältnis mit 4
weiteren Unbekannten, die er nicht kennt. 9 qm, 1 Person aus Moldavien,
anderes Zimmer, 9 qm, drei Personen aus der Ukraine, er, 20qm, aber
die Küche benutzt er nicht, weil er nichts damit zu tun haben will.
Das Jahr zuvor haben ein Afghani und ein Pakistani dort in den Zimmer
gelebt. Er schließt mit den Worten: Hohes Gericht - finden sie die wahren
Täter! Yeah, Yeah, was haben wir gelacht auf der Zeugenbank.
Zeuge Kleinschmidt, 35, Student, macht es den drei Äffchen gleich. Guter
Zeuge.
Zeuge Prottengeier, 34, Elektroinstallateur, ist Franke, spricht ein
gelockertes RRR und trägt ein "Life is Pain" T-Shirt. Hat lange Haare
und ist der Klassiker für Image d'Kiffer. Prottengeier, hat viel Staub
aufgewirbelt mit seinen Aussagen und brachte auch den Gartenschlauch
ins Spiel. Leider, leider hat er durch die Fragen der Staatsanwältin
sich total selbst widerlegt und alle wohlgemeinten der Wahrheitsfindung
dienlichen Aussagen haben sich in Wohlgefallen unsererseits aufgelöst.
Zeuge Huck, kam vor Aufregung zu spät, ist ca. 32, steht auf unserer
Seite und war gleich rotzig zu den Beamten. Schließlich sei er unter
Druck und werde auf der Arbeit dringendst vermißt. Die 20 € Zeugengeld,
will er, so hat er es mir später erzählt gleich in Rauchwaren anlegen.
Der große Moment der Plädoyers: Die mittlerweile sehr gute und höchst
attraktive Staatsanwältin (ich fand heraus das Menschen sehr viel attraktiver
werden, 1. je länger man sie betrachtet, 2. wenn sie einen weichen Kern
haben) erkannte, daß man aus all den Aussagen keine zweifelsfreie Beweislast
gegen uns vorbringen könne, die Lage im Haus doch sehr undurchsichtig
wäre und viele Täter für diese Verbrechen in Betracht kämen. Sie plädierte
auf "Freispruch" und ich erkannt Ihre wahre Schönheit, ihren Anmut,
ihr leuchtendes Antlitz und Ihren starken Charakter gemacht aus Intelligenz
und Willenskraft. Sie ist eine begehrenswerte und wunderschöne Frau.
Unsere Rechtsanwälte schlossen sich der Meinung der Staatsanwältin an
(so viel Geld haben die auch nicht an uns verdient, als daß sie viel
reden möchten) und setzten noch einen drauf in Richtung zweifelsfreie
Beweislast im Kontext eines erdachten Szenarios.
So weit so gut das war es noch nicht ganz: Der Zeuge RÖSCHEISEN, seines
Zeichens Würstchen, der die ganz große Nummer werden wollte, einmal
richtig rauskommen, sich einen Orden anheften lassen, richtig gut vor
den anderen Rangieren auf Gleis 9 dastehen, als Held sich nach Dienstschluß
aus dem Blaumann pellen und Selbstbewußtsein spüren. Röscheisen, der
Überführer, der Merzer der Haschgiftdrogen, der Übermensch am Fernrohr,
der Allesseher, der Erfinder von Dagobert dem blitzgescheiten Superkriminellen,
er, der aus einem wirren Schatten aus 300 Metern Entfernung das Verbrechen
deutet, er ist kein schöner Mensch. Seine Ausstrahlung gleicht dem eines
Verbindungssplints, den er zwischen die Wagenkupplungen treibt. Er wollte
raus, raus aus dem Leben zwischen den ewigen öligen und schmierigen
Puffern und den ätzenden nervenzersägenden Geräuschen der Bremsklötze
auf blankem Metall. Er wollte den sozialen Aufstieg, die Anerkennung
und später den Erfolg. Er kämpft für das Recht, für das Recht mit dem
er groß geworden ist, für seine Werte, die richtigen Werte, für Toleranz,
für seine Toleranz. Trotz stechen und hauen, nach unten treten nach
oben lecken, trotz Einsatz von Knie und Ellenbogen - er hat es nicht
geschafft. Gescheitert, eingeknickt.
Die Richterin Erbguth und die Schöffen (2 Herren um die 60, belanglos,
langweilig), die Verkündigung. "Die Anklage wird fallen gelassen, sie
sind freigesprochen!" Es folgt eine lange Belehrung und Urteilsbegründung.
Glauben schenkt sie uns nicht, doch die Beweisaufnahme ließ keinen anderen
Schluß zu. Nochmals werden wir darauf hingewiesen, das es ein Verbrechen
ist und mit mindestens einem Jahr Freiheitsstrafe zu Buche schlägt.
Wir dürften gerne mal einen Joint, das sei in Hamburg auch nicht
so eng gesehen, außerdem wisse jeder im Raum, daß der Konsum von Marihuana
nicht so gefährlich sei, doch Anbau in diesem Stil, sei in gehobenem
Maße kriminell und wird hart verfolgt. (Ach ja, so so, liebe Frau Erbgut,
keep on rockin', keep on rolling, legalize it und setz dafür mal dein
schlaues und erkenntnisreiches Köpfchen ein, wünscht Dir das BE09-Team)
Aus ihrem Herzen trat eine dicke Träne Blut, rann entlang an ihren Lenden
und sammelte sich in einer Pfütze zu ihren Füßen.
Wir danken allen Unterstützern, im Geiste und im Herzen. Unserer besonderer
Dank gilt Dagmar S. aus L.
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